Dienstag, 22. Mai 2012

Da scheiden sich die Geister

Von vielen hoch gelobt, von ebenso vielen verbal vernichtet. Der Roman "Die Bestimmung" von Veronica Roth spaltet die Buchliebhaber in zwei Geister. Ich habe mich nun auch daran gewagt (Wanderbuch sei Dank) und muss nun feststellen, ich zähle mit 3 Sternen zur goldenen Mitte. Mir fiel wohl nie so schwer ein Buch zu rezensieren wie dieses:







Die Bestimmung
(480 Seiten)
17,99 €
ISBN: 978-3-570-16131-9






Inhalt

Altruan – die Selbstlosen. Candor – die Freimütigen. Ken – die Wissenden. Amite – die Friedfertigen. Und schließlich Ferox – die Furchtlosen …
Fünf Fraktionen, fünf völlig verschiedene Lebensformen sind es, zwischen denen Beatrice, wie alle Sechzehnjährigen ihrer Welt, wählen muss. Ihre Entscheidung wird ihr gesamtes künftiges Leben bestimmen, denn die Fraktion, der sie sich anschließt, gilt fortan als ihre Familie.
Doch der Eignungstest, der über Beatrices innere Bestimmung Auskunft geben soll, zeigt kein eindeutiges Ergebnis. Sie ist eine Unbestimmte, sie trägt mehrere widerstreitende Begabungen in sich. Damit gilt sie als Gefahr für die Gemeinschaft.
Beatrice entscheidet sich, ihre bisherige Fraktion, die Altruan, zu verlassen, und schließt sich den wagemutigen Ferox an. Dort aber gerät sie ins Zentrum eines Konflikts, der nicht nur ihr Leben, sondern auch das all derer, die sie liebt, bedroht…
 
Rezension

Entscheide dich, wer willst du sein

Diese Rezension fällt mir absolut nicht leicht. Ich musste nun 2 Tage darüber nach denken, wie ich dieses Buch bewerten möchte und was ich dazu schreiben kann. Ich denke definitiv das sich bei diesem Roman die Geister scheiden. Ich gehöre nun also leider zur Fraktion der Enttäuschten. Diese Dystopie hat eigentlich alles was sie braucht um gut zu sein: eine fesselnde Story, ein düsteres Zukunftsszenario, eine völlig neue Idee, einen erstklassigen Schreibstil...auch ich war wie gebannt und klebte an den Seiten. Und dennoch kann ich keine 5 oder gar 4 Punkte geben. Aber fangen wir von vorne an.

Frau Roth kreiert mit ihrer Dystopie eine Gesellschaft die aus 5 Fraktionen bestehen. Den Ferox (die Mutigen), Amite (den Freundlichen), Alturan (den Selbstlosen), den Ken (die Klugen) und den Candor (den Wahrheitsliebenden). Jeder Jugendliche der zunächst in eine der 5 Fraktionen geboren wurde, muss sich mit 16 Jahren entscheiden, zu welcher Fraktionen er sein Leben lang gehören möchte. Hauptprotagonist ist Beatrice, eine Altruan, die sich entscheidet einer anderen Fraktion anzugehören, wobei sie eigentlich eine Unbestimmte ist, was bedeutet das man sie aufgrund ihrer Eigenschaften nicht wirklich einer Lebensform zuordnen kann. Tris schließt sich also den wagemutigen Ferox an und gerät dort neben der harten Ausbildung zwischen die Fronten und kämpft zum Ende hin schließlich um ihr Leben und das von vielen anderen.

Dies ist ein Romanplot der neugierig macht und eigentlich genau meinen Geschmack getroffen hat. Aber die Quintessenz und die Botschaft bis hin zur Charakterentwicklung der Hauptfigur hat mich einfach nur geschockt. In diesem Roman wird geprügelt, verdroschen, mit Messern um sich geworfen, hintergangen und vieles mehr. Da dies ein Jugendbuch ist, fand ich diese Entwicklung zuweilen sehr bedenklich. Da gehört es zum Beispiel zur Mutprobe aller Ferox in fahrende Züge zu springen und von ihnen wieder auf Hochhäuser- wie unlogisch und unrealistisch ist das denn? Das ist nicht mutig, das ist sau dämlich. Die Ferox müssten sich meiner Meinung nach, so nach und nach selbst ausradieren. Selbst die Initiation die alle Ferox-Neulinge unterlaufen müssen, besteht darin sich gegenseitig zu verprügeln. Was bitte schön, soll der junge Leser aus diesem Buch bitte mit nehmen? Das es in Ordnung ist andere zu schlagen, um selbst der Beste zu sein? Das es in Ordnung ist, nachtragend zu sein- wird so Gewalt nicht immer weiter geschürt?

Selbst die Liebesgeschichte fand ich eher an den Haaren herbei gezogen. Anscheinend kann man sich auch in Männer verlieben, die einen fast das Ohr abschneiden. Wenn mein Freund mich zum Bluten bringen würde, wäre ich über alle Berge! Oder sehe ich das alles zu eng?
engl Buchcover

Zudem fand ich teilweise, das mir die Stadt und die gesamte Umgebung nicht gut genug beschrieben wurde. Ich hatte mehrmals absolut kein Bild im Kopf, wenn von dem Hauptsitz der Ferox geschrieben wurde. So ein oder zwei kleinere Details hätten mich schon gefreut, so blieb die Umgebung mehr als blass. Ich finde das das Potential, welches in dieser Geschichte steckte, nicht wirklich schön herüber gebracht wurde. Und wenn man sich durch dieses ganze Gemetzel liest und am Ende steht in der Danksagung an erster Stelle Gott und Jesus, dann ist der Leser erst recht verwirrt und wie vor den Kopf gestoßen. Wer könnte den ahnen das eine Gottesfürchtige Autorin solche Lehren in ihr Buch packt?

Ich gebe daher für den Schreibstil und der Idee glorreiche 5 Punkte und für die Umsetzung und die Quintessenz (hau drauf, schlage allen die Birne ein, sie tun es ja auch mit dir) 1 Stern. Macht summa sumarum 3 Sterne für die Bestimmung.
 Ich könnte mir trotzdem sehr gut vorstellen auch einen Blick in die Fortsetzung zu werfen, denn ich muss es ja gestehen: fesseln konnte mich das Buch auf jeder Seite. Zumindest ist die Fortsetzung nun schon seit dem 01.05 erhältlich (leider noch nicht bei uns), wir werden wohl mal wieder bis 2013 warten müssen...
zweiter Teil, auf englisch schon erhältlich...
Und wie fandet ihr das "Jugendbuch"? Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich dieses Buch wohl nie als Jugendbuch tituliert hätte..dazu ist es meines Erachtens viel zu gewaltätig. Nun ja, ich bin auf eure Meinungen gespannt! Denn immerhin scheiden sich hier die Geister...

Kommentare:

  1. Ich weiß voll und ganz was du meinst. Ich habe das buch auch in einem zug durchgelsen hab aber ewigkeiten gebraucht um meine Rezi zu schreiben^^. Ich fand auch das die Story gut war, dennoch fand ich das Buch zu gewaltätig und manchmal auch etwas eintönig weil es nur ums vermöbeln ging ;) Ich hab den buch gaube 3,5 gegeben...und werd es aber nicht weiter lesen, da mir der Teil gereicht hat und ich jetzt nicht so fasziniert war das ich sag - band 2 wo bist du...abgesehen davon das ich schon 2, 3 Rezis zu Insurgent gelesen habe und die waren nicht wirklich gut :)

    Eine super rezi :)

    Liebe Grüße
    Nicole

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    1. HI, na da hatten wir ja wirklich identische Empfindungen, muss mich gleich mal auf die Suche nach deiner Rezension machen! Und Rezis zu Insurgent habe ich noch gar nicht gelesen- bringst mich da echt auf einen Gedanken! :) Auf jeden Fall verstehe ich alle 5 Sterne Rezis nicht...

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  2. Hallo,

    das Buch liegt noch auf meinem SuB, aber anscheinend gehen da die Meinungen sehr auseinander.

    LG
    Sabine

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    1. Na da bin ich mal gespannt, wann du dich dann dazu entscheidest, auch deinen Senf dazu zu geben :) Sprich, wenn du es dann gelesen hast.

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  3. Hätte ich ja nicht gedacht, dass dir das Buch nur mittelmäßig gefällt O.o Ich fand's klasse - vielleicht liegt das aber auch daran, dass ich die Gewalt hier gar nicht so arg wahrgenommen habe. Ich bin so etwas gewöhnt, kann ja der anderen Seite [Kitsch & Liebesgeschwüre] eher nicht so viel abgewinnen.
    Trotzdem eine tolle Rezension, ich kann zwar nicht zustimmen, aber gut nachvollziehen! ;)

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    1. XD Kitsch und Liebesschwüre mag ich auch nicht (siehe meine Meinung zu Firelight!) :D Von in einem Buch extrem gesabbert und geseiert wird, könnte ich es gegen die nächste Wand klatschen- hihi.

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  4. Das mit dem schwerfallen der Rezi, kann ich bei diesem Buch sehr gut nachempfinden. Mir ging es ähnlich, nur das ich sogar noch länger benötigte und meine Rezi fast gar nicht mehr zu Ende geschrieben hätte. Spannend und packend fand ich die Bestimmung auch, nur irgendwie wusste ich nach dem lesen erst mal so gar nicht was ich davon halten soll. Ich wollte es gut finden, aber ein ungutes Gefühl machte sich breit. Bezüglich der Botschaft hatte ich genauso meine bedenken, gerade da es hauptsächlich als Jugendbuch behandelt wird. Besonders das Ende ist mir bitter aufgestoßen und die Tris ist mir irgenwie im Verlauf der Story immer unsymphatischer erschienen. Aber ich habe auch vermutet, das die Bestimmung einen großteil an Fans finden wird. Geschmackssache halt, aber auch so gar nicht meins.

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    1. Ja genau, Sandi. Das Gefühl das Tris immer schlimmer und unsympathischer wird, hatte ich auch. Zum Ende hin konnte ich sie so gar nicht mehr leiden! Hat sich ja auch wirklich um 180°C gedreht.

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  5. Ich habe jetzt ein paar Tage darüber nachgedacht, dass doch ein beachtlicher Teil der Leserschaft von der Gewalt im Buch so abgestoßen wird. Im Endeffekt ist das natürlich persönliches Empfinden, aber wo zieht man denn einen Strich? Gerade im Jugendbuch-Bereich ist doch Gewalt nichts Neues. Aber ich kann mich nicht an derartige "Empörung" erinnern, als Bücher wie "Die Tribute von Panem", "Biss" oder "Göttliche Verdammt" rezensiert wurden. Ich könnte jetzt noch viele weitere Jugendbücher aufzählen, in denen Gewalt eine größere Rolle spielt. Der Punkt wird klar. Was ist an "Divergent" schlimmer als an anderen Büchern?

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    1. Nun, das sich so viele aufregen liegt nicht an der Gewalt an sich, sondern wie diese vermittelt wurde. In Büchern wie Panem und so weiter gehört die Gewalt leider zum Alltag, da werden die Menschen unterdrückt, es steht aber in den Büchern drin, das dieses System nicht in Ordnung ist.
      Anders in der Bestimmung..da wird die Gewalt regelrecht gebilligt. Es macht die Ferox aus sich zu prügeln, zu massakrieren und so weiter. Selbst Tris entwickelt sich von einer sanftmütigen Dame zu einem Hau-drauf-Mädel und dann wird erst gefragt. Ich denke das sich alle also darüber (zu recht) beschweren liegt einfach daran, das die Botschaft "Gewalt ist in Ordnung, schlag zu so stark du kannst, sonst bist du der der am Ende am Boden liegt" einfach nicht sinnvoll ist.

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  6. Schöne Rezension! Habe das Buch noch nicht gelesen, aber zu dem Thema Jugendbuch: ich habe oft das Gefühl, dass die Verlage sehr schnell die Bücher als "Jugendbücher" betiteln, wahrscheinlich aus Angst, dass es sonst die große Menge an Young Adult Fans nicht kauft.
    Irgendwie ist ein Jugendbuch auch nicht mehr das Selbe wie in meiner Jugend. Weiß nicht, hätte damals zu Hanni und Nanni Jugendbuch gesagt zb ;)

    LG
    Niniji

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    1. Ahhh..Hanni und Nanni..wie schöööööööööööööön! :D Die Bücher habe ich auch gelesen. Aber die würde ich eher als Kinderbcuh verbuchen. Hatte die gelesen, da war ich 10 oder so. Ich glaube Jugendbücher sind doch etwas anders...oder stellt sich die Frage, ab wann ist man ein Jugendlicher? Ab 14?

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    2. Ja stimmt hast recht, sind wohl doch eher Kinderbücher ;)
      Ich würde jetzt einfach mal sagen ab dem Teenalter, d.h. ab 13. Obwohl das sich für mich verdammt früh anhört, aber wenn du jetzt 13jährige fragen würdest, wären sie natürlich SELBSTVERSTÄNDLICH schon Jugendliche hihi

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  7. Ach ja, dieses Buch muss ich wohl irgendwann selbst nochmal lesen, um mir eine eigene Meinung zu bilden. Aber bei deiner Rezi musste ich gleich wieder an die Sandi denken, als sie "Die Bestimmung" gelesen hat. Sie hat es zwar flott durchgechmökert, sich aber andauernd aufgeregt - ab einem bestimmten Punkt. Und wie man oben (ihr Kommentar) sieht, seid ihr euch wirklich einig. Schön geschrieben! Übrigens auch deine Kommi-Begründung zum Thema Gewalt in Jugendbüchern.

    Ein schönes Wochenende dir!
    LG, Reni

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